Was auffällt, wenn man in die abendländische Metaphysikgeschichte blickt - dass viel über Dinge und viel über Vorstellungen diskutiert wird. In allerlei Überblicksdarstellungen wird in selbstverständlicher Weise von realistischen, materialistischen, idealistischen und anderen Positionen gesprochen, die mit großem Aufwand und fast so, als würde es keine Alternative hierzu geben, die Wirklichkeit mal auf Dinge, mal auf Teilchen, mal auf Vorstellungen, Ideen und mal auf Bewusstsein reduzieren.
Wenn man an Phänomenologie denkt, denkt man an Methoden, historische Strömungen, aber mitunter selten daran, dass vielleicht sie einen guten Kandidaten für einen Bruch mit dieser einseitigen Positionierung darstellt. Wie wäre es mit dem Phänomen als einem Zwischen von Ding und Vorstellung – so beschreibt Bergson die ,Bilder‘, aus denen sich die Wirklichkeit zusammensetzt. Nimmt man hinzu, dass diese Bilder – so Bergson – dem Eindruck der Welt entsprechen, wenn man versucht, die dichotomischen Diskussionen der traditionellen Metaphysik auszublenden, so fühlt man sich stark an Husserl und seine epoché erinnert – und an Sartre, der das Phänomen als Endliches im Unendlichen und damit vielleicht auch als Zwischen von Ding und Vorstellung begreift? Der Vortrag eruiert diese Zusammenhänge im philosophiehistorischen Blick.
Matthias Ernst Bähr arbeitet seit Oktober 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Philosophie (Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski) der Kath.-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Von Oktober 2023 bis September 2024 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschäftigt. Seine Forschungs- und Interessengebiete liegen in der Lebensphilosophie, Existenzphilosophie und Phänomenologie sowie Prozessmetaphysik, mit besonderem Augenmerk auf den Zeitphilosophien Henri Bergsons und Martin Heideggers, die auch im Zentrum seines Promotionsprojektes stehen. Zuletzt publizierte er Aufsätze zu Camus’ früher Bergson-Rezeption, Bergsons Gedächtniskonzeption und seiner Moralphilosophie sowie einen Sammelband zur Geschichte und Gegenwart der Erziehungsphilosophie. Seit dem Sommersemester 2025 ist er außerdem wissenschaftliches Vorstandsmitglied der Martin-Heidegger-Gesellschaft.