Der Vortrag wird in die Phänomenologie von Schwangerschaft und Geburt einführen, die ihren Ausgang bei Simone de Beauvoir nimmt und somit vor allem auch eine feministische Phänomenologie darstellt. In Das andere Geschlecht seziert Simone de Beauvoir die ambivalenten Erfahrungen von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft und betont dabei die Bedeutung der Situation. Die Rezeption und Weiterführung dieser Überlegungen erfolgt unter anderem durch Iris Marion Young, Sara Heinämaa, Tanja Stähler, Victoria Browne und Jenifer Scuro, die in dem Vortrag in ihren Grundzügen, kritischen Impulsen, aber auch Grenzen dargestellt werden. Die im Vortrag vertretene These lautet schließlich, dass phänomenologische Konzeptionen von Schwangerschaft und Geburt über den Fokus auf die subjektive, leibliche Erfahrung auch mögliche Disruptionen und Diskontinuitäten, wie beispielsweise Fehlgeburten, Infertilität und Schwangerschaftsabbrüche erfassen und in eine Philosophie und Ethik von Schwangerschaft und Geburt integrieren können.
Isabella Marcinski-Michel hat 2019 am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Phänomenologie der Essstörungen promoviert und war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen. Seit August 2025 arbeitet sie am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité Universitätsmedizin Berlin. Sie ist Post-Doc in der DFG-Forschungsgruppe „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens“ und leitet hier das Teilprojekt „Bruchlinien der Generativität: Eine Analyse generativer Zukunft bei Infertilität, Schwangerschaftsverlust und Schwangerschaftsabbruch im Anschluss an die Narrative Bioethik“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Ethik der Reproduktionsmedizin, der philosophischen und medizinethischen Perspektiven auf Schwangerschaft und Geburt sowie der Phänomenologie der Medizin und Psychiatrie.