Das Entstehen sozialer Bedeutung in kulturevolutionärem und spieltheoretischem Kontext: Ein interdisziplinärer Ansatz

Die verallgemeinerte Evolutionstheorie (vgl. u.a. Schurz 2011) postuliert die Anwendbarkeit eines evolutionären Algorithmus (EA) sowohl auf biologische als auch auf soziokulturelle Prozesse. Variation, Selektion und Reproduktion sind dabei als notwendige prozessuale Prädikate komplexer offener und oftmals selbstregulierender Systeme zu verstehen, welche i.d.R. einen hohen Freiheitsgrad aufweisen.

Innerhalb dieses theoretischen Rahmenwerkes lassen sich interessante Fragestellungen formulieren, etwa wie es zur Entstehung und Verbreitung semantischer Formen (bedeutungstragender Einheiten) kam/kommt. Teleosemantische Theorien (vgl. Millikan 1984, 2005) nehmen mindestens zwei Arten von Bedeutung an: Personale Sprecherbedeutung und konventionelle Sprachbedeutung, welche wiederum jeweils in Unterklassen zerfallen. Es ist vorgeschlagen worden (vgl. Lewis 1969, Skyrms 1996, Harms 2004 oder Huttegger 2008), das Auftreten und die Vervielfältigung semantischer Konventionen mittels der evolutionären Spieltheorie zu formalisieren.

In meiner Arbeit versuche ich erstens den teleosemantischen Ansatz zur Erklärung konventioneller Sprachbedeutung in die Dynamik von Koordinationsspielen einzubetten um neues Licht auf philosophische Begriffe wie Wahrheitsbedingungen, Intension/Extension, Informationsübertragung, Bezugnahme, Inhalt und die indikativ/imperativ Unterscheidung zu werfen und zweitens die Fruchtbarkeit dieser begrifflichen und formalen Zusammenführung bei der Erklärung kulturell evolvierter Phänomene und ihrer stabilisierenden Funktionen aus wissenschaftstheoretischer Perspektive aufzuzeigen.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Gerhard Schurz (Redakteur: Alexander Christian)