Zum Inhalt springenAktuelle ForschungsprojekteParadoxien im 13. JahrhundertWhitehead und die Tradition der Induktiven MetaphysikVoraussetzungen der Frame-Theorie in der Geschichte der PhilosophiePhilosophische Fachterminologie – Voraussetzungen, Fallstudien, PerspektivenAlter(n)sstereotype in der Geschichte der Philosophie

Forschungsprojekte

Hier finden Sie eine Übersicht über alle Forschungsprojekte, die an der Professur angesiedelt oder an denen Prof. Dr. Christoph Kann und seine Mitarbeiter beteiligt sind.

Paradoxien im 13. Jahrhundert

Das Projekt verfolgt neben der Behandlung systematischer Fragen zu Paradoxien im 13. Jahrhundert das Ziel der kritischen Edition, Übersetzung und Kommentierung der Insolubilia des William of Sherwood. Dieser gilt nach allgemeiner Einschätzung als einer der drei bedeutendsten Logiker des 13. Jahrhunderts neben Petrus Hispanus und Lambert von Auxerre. Insolubilia sind analysebedürftige Aussagen oder logische Paradoxien, wie sie nicht nur die mittelalterlichen Logiker sondern insbesondere auch die logische Analyse der Gegenwart beschäftigen. Zu unserem heutigen Bild von mittelalterlicher Logik und Semantik, die gleichzeitig Wissenschaftspropädeutik und Sprachwissenschaft (scientia sermocinalis) zu sein beansprucht, wird das Projekt einen richtungsweisenden Beitrag leisten. Erstmals im deutschsprachigen Bereich soll eine Insolubilia-Abhandlung in einer modernen Textausgabe mit Übersetzung und Kommentar vorgelegt werden. 

  • Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung
  • Projektmitarbeiter/innen: Sascha Aulich, Dr. Raina Kirchhoff

Whitehead und die Tradition der Induktiven Metaphysik

Ziel des Projekts ist, A.N. Whiteheads philosophische Kosmologie als einen Ansatz Induktiver Metaphysik zu rekonstruieren. Damit verbindet es historische und systematische Interessen. Der historische Schwerpunkt liegt auf dem Zeitraum vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert, insbesondere auf Whiteheads Metaphysik und benachbarten Theorien bzw. Konzeptionen einschließlich der seiner Zeitgenossen William James und Henri Bergson. Die genannten Konzeptionen sollen mit einem weiteren Zweig der Tradition Induktiver Metaphysik in Beziehung gesetzt werden, der hauptsächlich durch Theodor Fechner repräsentiert wird. Der systematische Schwerpunkt liegt auf den epistemologischen und methodologischen Zielsetzungen von Metaphysik des relevanten Zeitraums im Allgemeinen sowie auf Whiteheads Kritik metaphysischer Annahmen in der Tradition von Aristoteles, Descartes, Leibniz etc. im Besonderen. Von speziellem Interesse sind Whiteheads Kriterien eines spekulativen Schemas als Interpretation der Wirklichkeit, sein Begriff einer philosophischen Kosmologie, seine Methodologie imaginativer Generalisierung in ihrer Verbindung zur Induktion und seine Vorstellung einer metaphysischen Theorie in Übereinstimmung mit Annahmen und Methoden der Naturwissenschaften. In Konzentration auf Whiteheads philosophische Kosmologie als eine herausragende Version will das Projekt einen substantiellen Beitrag zu unserem derzeitigen Verständnis Induktiver Metaphysik leisten.

  • Teilprojekt des SFF-Projekts Inductive Metaphysics gefördert durch die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2015-2017)
  • Zusammen mit Prof. Dr. Markus Schrenk, Prof. Dr. Gerhard Schurz
  • Projektmitarbeiter: Dr. Aljoscha Berve
  • In der Antragstellung befindet sich ein Anschlussprojekt

Voraussetzungen der Frame-Theorie in der Geschichte der Philosophie

Das Projekt intendiert eine historische und systematische Rekonstruktion von Barsalous Frame-Konzeption als Modell mentaler Repräsentation. Im Zentrum des Projekts steht die Frage, inwiefern die Frame-Theorie, insbesondere der Frame-Begriff, Vorläufer in der Philosophie oder in benachbarten Disziplinen hat. Stellt die Frame-Theorie ein völlig neues Paradigma dar, oder beruht sie auf älteren Theorien unter Modifikation ihrer wesentlichen Grundzüge? In der Behandlung dieser und angrenzender Fragen kann das Projekt auf fragmentarische historische oder chronologische Bemerkungen und Reflexionen innerhalb der Frame-Untersuchungen selbst zurückgreifen. Barsalous Theorie kognitiver Repräsentation schreibt die von Fillmore etablierte Frame-Semantik fort, die ihrerseits von Minskys Modell der Wissensrepräsentation mittels semantischer Netzwerke angeregt war. Minsky selbst verweist nicht nur auf den Schemabegriff in der Kognitionspsychologie (Bartlett), sondern auch auf den Paradigmenbegriff in der Epistemologie (Kuhn). Tatsächlich scheinen ältere Theorien wie Kategoriensysteme (Aristoteles, Kant), Konzeptionen von Schemata (Whitehead, Rumelhart) oder Gedächtnistheorien (Augustinus, Locke) grundlegende Intentionen, Strukturen und Annahmen mit der Frame-Theorie zu teilen. Insofern fokussiert sich die Untersuchung auf den Frame-Begriff einschließlich einer Analyse seiner Nachbarbegriffe, seiner Bedeutungskomponenten, seiner Erklärungskraft und insbesondere seiner Prämissen in der Geschichte der Philosophie.

Philosophische Fachterminologie – Voraussetzungen, Fallstudien, Perspektiven

Das Projekt intendiert eine Grundlagenuntersuchung zur philosophischen Terminologie. Die Philosophie bedient sich ebenso wie andere Wissenschaften spezifischer fachsprachlicher Ausdrucksmittel. Zugleich unterscheidet sie sich in terminologischer Hinsicht von anderen Wissenschaften durch ihren engen Bezug zu normalsprachlichen Ausdrücken, die unter signifikanten Bedeutungsverschiebungen in ihre oft esoterisch wirkende Fachterminologie eingehen. Andererseits überschneidet sich die philosophische Fachterminologie erheblich mit Terminologien benachbarter Disziplinen, die teils aus ihr hervorgegangen sind und sich dabei auch terminologisch verselbständigt haben. Zu dieser komplexen Sachlage existiert eine adäquate Forschung lediglich in Ansätzen. In der etablierten Fachsprachenforschung spielt die philosophische Terminologie allenfalls eine Nebenrolle, innerhalb der Philosophie werden im 19. und 20. Jh. Spuren einer Terminologieforschung durch begriffs- und ideengeschichtliche Analysen überlagert. Dem Projekt geht es darum, die beschriebene Lücke zu füllen und eine historisch-systematische Untersuchung zu den spezifischen fachsprachlichen Mitteln der Philosophie vorzunehmen.

  • SFF-Projekt gefördert durch die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2014-2016).
  • In der Antragstellung befindet sich ein Anschlussprojekt: Ethik der Terminologie

Alter(n)sstereotype in der Geschichte der Philosophie

Wesentliche Theorien, Konzepte und Termini des Alter(n)s sind aus der philosophischen Tradition hervorgegangen. In Antike (Platon, Aristoteles, Seneca) und Mittelalter (Hrabanus Maurus, Hugo von St. Victor, Thomas von Aquin) wurden ebenso Alter(n)sreflexionen und -theorien entwickelt wie in Neuzeit (Montaigne, Hegel, Schopenhauer) und Gegenwart (de Beauvoir, Marquard, Höffe). Die Theorienabfolge der Alter(n)skonzepten in der Philosophie hat durch alle Epochen hindurch wesentlich zur Herausbildung und Kritik von Alter(n)sstereotypen beigetragen. Systematisch ist die Alter(n)sphilosophie zwischen der Philosophie von Zeit- und Zeiterfahrung und Philosophie des Todes einzuordnen. Während in der analytischen Philosophie u.a. Begriffe des Alter(n)s auch über Disziplingrenzen hinweg verglichen und entsprechende Alter(n)sstereotype nennbar gemacht werden, geht es in der Existenzphilosophie um eine Position zum Alter(n)sprozess als unhintergehbarer Grundsituation und zentralem Moment der conditio humana, wobei Zeiterfahrung und Todesperspektive eine besondere Rolle spielen. 

  • Teilprojekt des HHU-internen Graduiertenkollegs „Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis“ (2012-2016)
Verantwortlichkeit: