Der Begriff der Religion wird heute mindestens genauso inflationär verwendet wie jener der Philosophie. Kaum eine Form der Lebensorientierung – von der Musik bis zur Ernährung – scheint davor gefeit, alsbald zur Religion gekürt zu werden, ohne dass allerdings deutlich würde, worin dabei jeweils das spezifisch Religiöse bestehen soll. Gleichzeitig verschwimmen auch die Grenzen der großen Weltreligionen, die lange Zeit als Standard für das Verständnis von Religion dienen konnten, zusehends und machen einem Eklektizismus Platz, der Elemente unterschiedlicher Traditionen den individuellen Bedürfnissen anpasst und miteinander verbindet. Nachdem es in der Philosophie lange Zeit als selbstverständlich galt, dass Religion wesentlich über bestimmte Überzeugungen zu definieren sei – insbesondere etwa über das Wesen Gottes oder die Unsterblichkeit der Seele –, verschiebt sich der Fokus angesichts solcher Entwicklungen hin zu anderen Betrachtungsweisen, etwa zur Lebensführung als Bezugsgröße für ein angemessenes Verständnis von religiösen Praktiken und Erfahrungen, zu Phänomenen wie Spiritualität und Esoterik und der Frage, ob und inwiefern solche Formen als genuine Ausprägungen des Religiösen zu begreifen sind, oder zu wissenschaftlichen Untersuchungen in Grenzbereichen empirischer Forschung, wie beispielsweise Nahtoderfahrungen und Jenseitskontakten.
Vor diesem Hintergrund werden im wöchentlichen Wechsel Expertinnen und Experten historische, systematische und kulturübergreifende Facetten der Religionsphilosophie präsentieren.