Ereignis

Titel:
Gerhard Thonhauser: „Ist eine existenzialistische Sozialtheorie möglich? Antwortversuche mit Sartre und Merleau-Ponty“

Datum / Uhrzeit:
21.10.19   /  16:30 - 18:00

Veranstalter:
Dennis Sölch und Oliver Victor


Beschreibung:

Im Rahmen der Ringvorlesung „Geschichte und Gegenwart der Existenzphilosophie“ laden wir herzlich ein zu einem Vortrag von

Gerhard Thonhauser: „Ist eine existenzialistische Sozialtheorie möglich? Antwortversuche mit Sartre und Merleau-Ponty“

Abstract

Der Existenzialismus definiert sich durch sein radikales Freiheitsverständnis, das mit einem Begriff absoluter individueller Verantwortung verbunden ist. Sozialtheorie beschäftigt sich hingegen mit den überindividuellen Kräften und Strukturen, die in einer Gesellschaft wirken und gesellschaftliche Wirklichkeit konstituieren. Eine existenzialistische Sozialtheorie scheint daher auf den ersten Blick wie ein hölzernes Eisen. Umso erstaunlicher ist es, dass Jean-Paul Sartre, der vielleicht prominenteste Vertreter des Existenzialismus, sein Werk nicht nur als mit der marxistischen Tradition vereinbar sah, sondern sogar danach trachtete, diese beiden
Traditionslinien in einem existenzialistischen Marxismus bzw. marxistischen Existenzialismus zusammenzuführen. Ähnliches gilt für Maurice Merleau-Ponty, zunächst Weggefährte und später Kritiker Sartres, dessen Denken ebenfalls darauf abzielt, den marxistischen Grundgedanken einer Gebundenheit durch die sozio-ökonomischen Verhältnisse mit einem angemessenen Verständnis individueller Freiheit zu verbinden. Der Vortrag bietet eine Nachzeichnung dieser politischen Dimension existenzialistischen Denkens. Auf dem Spiel steht dabei nichts Geringeres als die Möglichkeit einer Überwindung der Dichotomie von individueller Freiheit und Situationsgebundenheit, willentlicher Veränderung und Zwang der
Geschichte.

Zur Person:

Dr. Gerhard Thonhauser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der TU Darmstadt. Zuvor war er Erwin Schrödinger Stipendiat des österreichischen Wissenschaftsfonds am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin und assoziiert mit dem dortigen Sonderforschungsbereich 1171 Affective Societies. Thonhauser studierte Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Wien und promovierte an selbiger Universität im Fach Philosophie. Seine aktuelle Forschungsschwerpunkte sind: Phänomenologie, Sozial- und politische Philosophie, Philosophie der Emotionen.

Zu seinen jüngsten Publikationen zählen:

  • Ein rätselhaftes Zeichen. Zum Verhältnis von Martin Heidegger und Søren Kierkegaard (Berlin: De Gruyter, 2016)
  • "Existenzialistischer Marxismus", in: Michael Quante and David Schweikard (Hg.): Marx Handbuch: Leben - Werk - Wirkung, Stuttgart: Metzler, 2015, 313-320.
  • "From Collectives to Groups. Sartre and Stein on Joint Action and Emotional Sharing", in: Sebastian Luft and Ruth Hagengruber (Hg.): Women Phenomenologist on Social Ontology, Clam: Springer, 2018, 183-194.

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