Heinrich Rickert-Forschungsstelle

Die 'Heinrich Rickert-Forschungsstelle' wurde im Oktober 2000 gegründet und dient der Erforschung des Werkes von Heinrich Rickert.

Heinrich Rickert (1863-1936) war einer der bedeutendsten deutschen Philosophen vor dem Zweiten Weltkrieg. Er hatte vor allem mit seiner erkenntnistheoretischen Wissenschaftstheorie, seiner Begriffslehre und Erkenntnistheorie großen Einfluss, interdisziplinär (z.B. auf Historiker und Literaturwissenschaftler) wie international (besonders in Japan, Russland und Italien). Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte er in besonderem Maße das Schicksal des Neukantianismus: er wurde weitgehend vergessen.

Rickerts fast ausschließlich systematisches Philosophieren wendet sich sowohl gegen überlebte Traditionen und Autoritäten als auch gegen philosophische Moden wie Schlagworte und gibt mit seinen grundständigen, scharfsinnigen und klar formulierten Argumenten auch heute noch fruchtbare Anregungen.

Die Rickert-Ausgabe möchte die in den vergangenen zwei Jahrzehnten stattfindende Rehabilitierung des Neukantianismus auch für die südwestdeutsche Schule in Angriff nehmen und das umfangreiche und weitgespannte Oeuvre der publizierten Werke dieses historisch wie sachlich wichtigen, interessanten und vielfach unterschätzten Philosophen wieder allgemein verfügbar machen.

Die philologisch-kritische Ausgabe (mit Ausnahme von Band 2) vereinigt alle Schriften Rickerts in der zu seinen Lebzeiten letzterschienenen Fassung. Jeder Text enthält die Seitenzahlen der Originalausgabe sowie editorische Angaben, ein Druckfehlerverzeichnis, Literaturverzeichnis, Namenregister und ein ausführliches Wortregister.
Band 2 legt mit dem großen Werk über den „Gegenstand der Erkenntnis" eine historisch-kritische  Edition vor.
Die Ausgabe erscheint im Verlag De Gruyter, Berlin.

Band-Übersicht

Bd. 1:

Zur Lehre von der Definition. 3. Aufl. 1929.
Das Eine, die Einheit und die Eins. 2. Aufl. 1924.
Die Logik des Prädikats und das Problem der Ontologie. 1930.
Erscheint voraussichtlich Ende 2019.

Bd. 2:

Der Gegenstand der Erkenntnis. Historisch-kritische-Edition.
Bd. 2/1: 370 S.: 1. Aufl. 1892 und 2. Aufl. 1904. 451 S.
Bd. 2/2: 620 S.: 3. Aufl. 1915 bis 6. Aufl. 1928. 583 S.
Ist im Mai 2018 erschienen.

Bd. 3:

Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. 5. Aufl. 1929.

Bd. 4:

Die Probleme der Geschichtsphilosophie. 3. Aufl. 1924.
Wilhelm Windelband. 2. Aufl. 1929.
Die Heidelberger Tradition in der deutschen Philosophie. 1931.
Die Heidelberger Tradition und Kants Kritizismus (Systematische
Selbstdarstellung). 1934.

Bd. 5:

Allgemeine Grundlegung der Philosophie. 1921.

Bd. 6:

Goethes Faust. 1932.

Bd. 7:

Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft. 6./7. Aufl. 1926.
Kant als Philosoph der modernen Kultur. 1924.

Bd. 8:

Die Philosophie des Lebens. 2. Aufl. 1922.
Grundprobleme der Philosophie. 1934.

Bd. 9:

Aufsätze I: 1894-1921.

Bd. 10:

Aufsätze II: 1922-192.

Bd. 11:

Aufsätze III: 1926-1938.
Primärbibliographie Heinrich Rickert.

Lebensdaten Heinrich Rickerts

  • 25. Mai 1863 Heinrich John Rickert in Danzig geboren als Sohn des Redakteurs und Politikers Heinrich Rickert.
  • Privatunterricht in Danzig und Berlin.
  • Herbst 1877 bis Ostern 1884 Besuch des Berliner Gymnasiums  zum Grauen Kloster, Abgang in der Prima noch vor dem Abitur.
  • 1884 bis 1885 zwei Semester an der Berliner Universität Vorlesungen verschiedener Fächer; er hört u.a. Herman Grimm, Heinrich von Treitschke, Emil DuBois-Reymond. Seine Absicht, Literarhistoriker zu werden, gibt er nach der Poetik-Vorlesung Scherers auf. Die Vorlesungen bei dem Philosophen Friedrich Paulsen begeistern ihn für Philosophie.
  • Frühjahr 1885 nach Straßburg, dort (mit Ausnahme zweier Semester in Zürich und Bern) nach einigen Monaten Nachholung des Abiturs und Studium der Philosophie (vor allem bei Wilhelm Windelband) als Hauptfach und (als Nebenfächer) der Nationalökonomie (bei Georg Friedrich Knapp und Lujo Brentano) und Physiologie (bei Friedrich Goltz).
  • 12. Juni 1885 Musterung als 'dauernd untauglich' für den Militärdienst.
  • Sommersemester 1886 in Zürich; den beurlaubten Richard Avenarius lernt er privat kennen.
  • Sommer 1888 Promotion zum Dr. phil. bei Windelband mit der Diss. 'Zur Lehre von der Definition'.
  • 5. Aug. 1888 Heirat mit der in Berlin, Florenz und Rom ausgebildeten Bildhauerin Sophie Keibel (der Ehe entstammen vier Söhne).
  • Herbst 1888 Rückkehr nach Berlin.
  • Dez. 1889 wegen gesundheitlicher Probleme Übersiedlung nach Freiburg i. Br.
  • Juli 1891 Habilitation in Freiburg mit der Schrift 'Der Gegenstand der Erkenntnis' (Gutachter: Alois Riehl), danach Privatdozent.
  • 1. Nov. 1891 Beginn der Vorlesungstätigkeit.
  • 16. Nov. 1894 a.o. Prof. für Philosophie in Freiburg.
  • 1896 Ablehnung eines Rufs nach Rostock, weil:
  • 13. Sept. 1896 o. Prof. in Freiburg.
  • Nach einer Blinddarmoperation leidet er lebenslang an Interkostalneuralgien und Agoraphobie.
  • 1906 Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen.
  • 25. Juni 1909 a.o. Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
  • 4. Okt. 1910 Geheimer Hofrat.
  • 30. Dez. 1915 Versetzung nach Heidelberg als o. Prof. (Nachfolge von Wilhelm Windelband; in Freiburg wird E. Husserl sein Nachfolger), dort Kollege von Hans Driesch, K. Jaspers und (ab 1918) Heinrich Maier.
  • 3. Juni 1916 o. Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
  • 18. Juli 1917 Korrespondierendes Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
  • Nov. 1917 Ablehnung eines Rufs der Universität Wien.
  • 11. Februar 1918 Ritterkreuz des Ordens Bertholds I.
  • 22. April 1924 Dr. jur. h.c. der Rechts- u. Staatswiss. Fakultät der Universität Königsberg.
  • Juni 1928 Dr. h.c. der Kulturwissenschaften der TH Dresden.
  • Okt. 1931 Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom
  • 1. April 1932 Emeritierung.
  • SS 1932 bis incl. WS 1933/34 Vertretung seines eigenen Lehrstuhls.
  • Mai 1933 Verleihung der Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst durch den Reichspräsidenten.
  • 25. Mai 1933 Dr. h.c. der Theolog. Fakultät Heidelberg (zu seinem 70. Geburtstag).
  • 1. Nov. 1934 Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.
  • 25. Juli 1936 in Heibelberg gestorben, bestattet in Danzig.

aus: Heinrich Rickert, Philosophische Aufsätze, hrsg. von Rainer A. Bast, UTB 2078, Tübingen 1999, S. 437f.

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